Klimapolitik auf Kosten der Zukunft – Ein Rückschritt mit System

Die Große Koalition hat sich geeinigt: Die 65-Prozent-Regel für neue Heizungen fällt. Stattdessen kommt eine „Biotreppe“ – erst 10 Prozent Biomethan, dann mehr. Die Botschaft: Weiter so wie bisher, nichts muss sich ändern. Doch dieser Deal ist nicht nur klimapolitisch ein Desaster – er ist auch eine Rechnung, die am Ende die Bürgerinnen und Bürger bezahlen werden.

Die Wahrheit über das „Aus“ des Heizungsgesetzes

Zuerst muss man klarstellen, was hier wirklich passiert ist. Denn die Erzählung von der „Abschaffung des Heizungsgesetzes“ ist politische Mythenbildung.

Ein „Heizungsgesetz“ hat nie existiert. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) wurde bereits 2020 unter Angela Merkel, Peter Altmaier und Horst Seehofer verabschiedet – mit Betriebsverboten für alte Heizkessel und Einschränkungen für Ölheizungen. Das ist Unionseigenes Werk.

Die Ampel-Regierung – also SPD, Grüne UND FDP – beschloss dann im Koalitionsvertrag die 65-Prozent-Regel. Keine grüne Solo-Aktion, kein Zwang zur Wärmepumpe. Das Gesetz war technologieoffen: Wärmepumpe, Fernwärme, Biomasse, Hybridheizungen, sogar Wasserstoff-ready-Gasheizungen – alles war möglich.

Doch die Bild-Zeitung erfand das Schlagwort vom „Heizhammer“. Ein Gesetz, das es nicht gab, wurde zur toxischen Marke. Ein Gesetz, das drei Parteien beschlossen hatten, wurde einem einzigen Minister zugeschrieben. Und Merz „schafft“ jetzt etwas ab, das nie existierte.

Was er tatsächlich tut: Er kippt nicht nur die 65-Prozent-Regel, sondern auch die Betriebsverbote für Uralt-Heizkessel aus dem eigenen GEG von 2020. Betroffen: weniger als 10.000 Anlagen. Symbolpolitik statt Substanz.

Warum das für Hausbesitzer und Mieter teuer wird

Die politische Botschaft ist klar: Kauft weiter Öl- und Gasheizungen, alles wird gut.

Wird es nicht. Im Gegenteil.

Wer heute eine neue Gasheizung einbaut, muss sich auf steigende Kosten einstellen – garantiert:

  • CO₂-Abgaben werden weiter steigen. Das Bundesumweltamt rechnet mit deutlich höheren Preisen im Emissionshandel.
  • Netzkosten fallen bei sinkender Nutzerzahl pro Haushalt höher aus – die Allgemeinkosten werden auf weniger Schultern verteilt.
  • Grünes Beimischungsgas – also Biomethan – ist teurer als Erdgas. Die „Biotreppe“ zwingt Verbraucher, einen Premium-Kraftstoff zu kaufen, den sie nicht wollen.
  • Investitionsruine: Eine Gasheizung hat 15–20 Jahre Lebensdauer. Wer jetzt einbaut, wird 2045 mit einer Technologie dastehen, die nicht mehr funktioniert – oder nur mit teuerstem synthetischen Gas.

Wärmepumpen sind da die ehrlichere Rechnung. Ja, die Anschaffung kostet mehr. Aber die Betriebskosten sind berechenbar und langfristig günstiger. Und sie nutzen die Energie, die wir selbst produzieren können – statt Gasimporte zu finanzieren, deren Preise von Putins Nachfolger und globalen Märkten abhängen.

Das Problem wird nur verschoben, nicht gelöst

Die Klimaneutralität 2045 ist verbindlich im Klimaschutzgesetz verankert. Union und SPD haben sie selbst beschlossen. Wenn jetzt diejenigen Technologien gefördert werden, die in zehn Jahren vor der Tür stehen, macht man es sich nicht nur politisch einfach – man macht es den Bürgerinnen und Bürgern teurer.

Denn eins ist sicher: Die CO₂-Menge, die wir heute nicht einsparen, müssen wir später irgendwo anders einsparen. Entweder bei der Heizung – oder woanders. Und dann wird es teurer, deutlich teurer.

Ich wünsche mir eine Politik, die ehrlich ist: Ja, der Umbau ist anspruchsvoll. Aber er ist machbar – mit klaren Regeln, vernünftiger Förderung und Technologieoffenheit. Was wir nicht brauchen, ist eine Scheinlösung, die heute Beifall erntet und morgen Rechnungen schickt.

Wer 2026 eine Gasheizung einbaut, kauft sich Symptombekämpfung. Das Problem kommt garantiert zurück – nur mit höherer Rechnung.